
MEDIZINISCHE ERKLÄRUNG
Bei der typischen Kniescheibenluxation springt die Kniescheibe aus der vorgesehenen Gleitbahn nach außen heraus. Dabei kommt es häufig zu Begleitverletzungen von Bändern, Knorpel und Knochen.
URSACHE
In den meisten Fällen handelt es sich um eine ungünstige Kombination luxationsfördernder Komponenten.
Aus anatomischer Sicht sind ein X-Bein, eine fehlerhaft angelegte Kniescheibe (Patelladysplasie, sogenannte Jägerhutpatella) und ein zu weit außen liegender Ansatz der Patellasehne (Kniescheibensehne) Risikofaktoren.
Von Seiten des Bandapparates gilt ein lockerer Bandapparat (Bandlaxizität = Hypermobilität der Patella) und eine hoch stehende Patella (Patella alta) als ungünstig.
EINTEILUNG
Die Kniescheibenstabilität wird in drei Instabilitätsgrade der Kniescheibe eingeteilt:
- Patellalateralisation (dabei gleitet die Kniescheibe zu weit außen (lateral) im Kniescheibengleitlager)
- Subluxation der Kniescheibe (dabei renkt die Kniescheibe fast aus)
- Luxation der Patella (vollständiges Ausrenken der Kniescheibe)
Die erste Kniescheibenluxation mit einem Unfallereignis wird medizinisch als traumatische Kniescheibenluxation bezeichnet, erneute Luxationsereignisse als chronisch-rezidivierende (posttraumatische) Patellaluxation.
Eine Kniescheibenverrenkung, die ohne ein echtes Unfallereignis erfolgt, wird als habituelle Patellaluxation bezeichnet.
Dabei springt die Kniescheibe ohne Unfallereignis aus ihrem Gleitlager heraus und wieder herein. Insbesondere in den ersten 45° der Beugung zeigt sich diese Instabilität.
SYMPTOME
Eine Patellaluxation ist allein durch Betrachtung zu diagnostizieren.
Die Kniescheibe springt in fast allen Fällen nach außen über die vorgesehene Gleitbahn hinaus. Dort ist sie sichtbar, das Kniescheibengleitlager ist leer.
In den meisten Fällen kommt es zu einer sogenannten Selbstreposition.
Das bedeutet, dass die Kniescheibe bei geringen Bewegungen wieder in ihre Gleitbahn zurückspringt. In diesen Fällen ist eine genaue Erhebung der Krankengeschichte notwendig.
Wenn die Kniescheibe luxiert, zerreißt der innere Band- und Halteapparat der Kniescheibe (mediales Retinakulum). Bei dem Weg der Kniescheibe aus der Gleitbahn heraus kann es zu Begleitverletzungen an Knorpel und Knochen der Kniescheibe und des Oberschenkels kommen (Flake fracture = Knorpelabsprengung).
Folge der traumatischen Kniescheibenverrenkung ist ein Kniegelenkserguss (intraartikulärer Erguss) und deutlicher Druckschmerz an der inneren Kniescheibenfacette (Ruptur des medialen Bandapparates).
Für eine Patellaluxation spricht das plötzliche Wegsacken des Kniegelenkes beim Verrenkungsvorgang (Giving way).
