Hüftgelenksprothetik

  • Erklärung

    Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes ist eines der erfolgreichsten Therapieverfahren in der modernen Orthopädie. Derzeit werden über etwa 200.000 Hüftprothesen pro Jahr in Deutschland eingesetzt. Das Facharztzentrum für Orthopädie hat seit 1975 Erfahrung mit dieser Operation. Jährlich werden etwa 150 Hüftprothesen durch die Fachärzte in unserer Belegabteilung eingesetzt

  • Konzept

    Die Ergebnisse der Hüftendoprothetik werden dank der Verbesserungen der verwendeten Materialien, der Operationstechnik und der Hygiene immer besser. Gleichzeitig steigt die Zahl der durch-geführten Operation immer weiter an. Derzeit werden in Deutschland jährlich etwa 200.000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Bei Problemfeldern wie der Langzeitverankerung, der Luxationssicherheit, dem Komponentenverschleiß und der postoperativen Beinlängendifferenz konnten durch Forschung und Innovationen deutliche Fortschritte erzielt werden. Auch in unsere tägliche Praxis haben diese Innovationen Eingang gefunden und wir versprechen uns davon, noch bessere Langzeitergebnisse zu erzielen. Es sind dies die Verwendung von Hart-Hart-Gleitpaarungen, der Einsatz von Großköpfen und der fast ausschließliche Einsatz der zementfreien Verankerungstechnik. Die Verwendung der modernen Gleitpaarungen verspricht eine Reduktion des Abriebs, ein Phänomen, das überall auftritt, wo sich Gelenkpartner gegeneinander bewegen. Die dabei entstehenden Abriebpartikel sind maßgeblich für die Prothesenlockerung verantwortlich. Durch die Verringerung des Abriebs erhoffen wir uns eine bessere Langzeitstabilität der eingesetzten Prothese. Der Einsatz von Hüftköpfen mit einem größeren Durchmesser als bisher üblich (36 mm statt der bisher üblichen 28 und 32 mm) verbessert sowohl die Luxationssicherheit als auch das Bewegungsgefühl, weil die Mechanik des Kunstgelenkes der des ursprünglichen Gelenks näher kommt. Inzwischen weitgehend unstrittig sind die Vorteile der zementfreien Verankerung sowohl der Pfannen- als auch der Schaftkomponente. Durch eine Verbesserung der Prothesenoberfläche ist die Primärstabilität so hoch, dass auf die früher übliche wochenlange Teilbelastung der zementfreien Hüftprothesen verzichtet werden kann und eine rasche volle Belastung möglich ist. Es gibt jedoch auch Entwicklungen, die in den Medien teilweise sehr plakativ beworben werden, und denen wir bisher nicht folgen. Es sind dies die Kurzschaft- und Kappenprothesen und mit Abstrichen die minimal-invasive Operationstechnik über verschiedene Zugangswege. Unserer Meinung nach ist das Problem der Verankerung und der Primärstabilität bei den Hüftkappen und den Kurzschaftprothesen nach wie vor nicht gelöst. Die in den letzten Jahren publizierten Mitteilungen über eine erhöhte Rate von Hüftkopfnekrosen und Schenkelhalsbrüchen bei den Kappenprothesen und eine erhöhten Rate von Frühlockerungen bei den Kurzschaftprothesen lassen uns von der Verwendung dieser Implantate noch Ab-stand nehmen. Die minimal-invasiven Zugangswege über extrem kleine Hautschnitte sind in letzter Zeit zu einem wichtigen Werbeinstrument der konkurrierenden Abteilungen geworden. Bisher nur am Rande wurden dagegen wissenschaftliche Mitteilungen diskutiert, wonach bei dieser neuen Operationstechnik vor allem am Anfang ein erhöhtes Risiko einer Fehlpositionierung der Prothese und erhöhtes Risiko eines intraoperativen Knochenbruches besteht. Die propagierten Vorteile einer schnelleren Rehabilitation und einer schnelleren Belastbarkeit des operierten Beines wurden dagegen in Frage gestellt. Die meisten vergleichenden Studien konnten einen Unterschied der Ergebnisse nur in den ersten Wochen nach der Operation belegen. Die Zusammenschau der bisher publizierten wissenschaftlichen Studien rechtfertigen unserer Meinung nach das zumindest vorübergehend erhöhte Fehlschlagrisiko nicht. Allerdings konnten auch wir durch die Verwendung spezieller Instrumente und Retraktoren unsere operativen Zugangswege kleiner und weichteilschonender gestalten, ohne die Nachteile eines mangelnden Überblickes über das Operationsfeld in Kauf zu nehmen.

    Zur Zeit profitieren daher Patienten von Implantaten, die auf den bewährten Designs aufbauend ständig weiterentwickelt wurden, am meisten von den Verbesserungen der chirurgischen Technik. Das Zusammenspiel zwischen modernen Instrumenten und Prothesenmaterialien, die Verwendung bewährter Prothesendesigns und die Verbesserung der Operationstechnik ermöglicht den von uns operierten Patienten eine schnelle Belastungssteigerung und Mobilisierung. Gleichzeitig ist es dank der verbesserten Langzeithaltbarkeit auch vertretbar, immer jüngere Patienten, die an einer Hüftgelenkarthrose leiden, mit einem künstlichen Hüftgelenk zu versorgen.

  • Vorgehen

    Operationsvorbereitung

    Da es sich bei der Hüftprothesenimplantation mit wenigen Ausnahmen um ein rein elektives Verfahren handelt, ist eine gründliche Opera-tionsvorbereitung zwingend erforderlich. Eine Narkosevorbereitungs-untersuchung entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesell-schaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) kann beim Hausarzt vorbereitet werden. Darüber hinaus führen wir vor der Operation ein Aufnahmelabor mit Entzündungsparametern sowie eine maßstabsgerechte Röntgenaufnahme durch. Die Röntgenaufnahme dient der präoperativen Planung, die vor jeder Operation mit Scha-blonen computerassistiert durchgeführt wird. Unsere Physiothera-peuten üben mit Ihnen die ersten Schritte an zwei Unterarmgeh-stützen schon vor der Operation, um Ihnen nach dem Eingriff die Mobilisation zu erleichtern.

    Aufklärung

    Obwohl die möglichen Komplikationen heute gering sind, muss jeder Patient darüber aufgeklärt werden, dass auch die strenge Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen nicht alle Risiken einer Operation beseitigen kann.

    Zu den Risiken zählen: Thrombose, Embolie, Luxation des Gelenkes, Wundheilungsstörungen, Wundinfektion, septische und aseptische Früh- und Spätlockerungen, Knocheninfektion, intraoperative Kno-chenbrüche, eine Beinlängendifferenz und Nachblutungen. Wir spre-chen mit Ihnen gerne die oben genannten Punkte durch und erklären Ihnen die Häufigkeit des Auftretens dieser möglichen Probleme.

    Operationsablauf

    Nach dem operativen Zugang zum Hüftgelenk und der Resektion der Gelenkkapsel erfolgt die Luxation des Hüftkopfes mit Durchtrennung des Schenkelhalses und anschließender Entfernung des zerstörten Hüftkopfes.

    Danach erfolgt die Pfannendarstellung mit Hohmann-Hebeln. Nach Entfernung von Weichteilresten erfolgt das schrittweise Auffräßen der Pfanne bis zum letzten Fräsvorgang, sodass, wenn möglich, eine zementfreie Pfanne in die gewünschte Pfannenposition eingebracht werden kann. Für das Inlay haben wir die Auswahl unter modernen Hochleistungskeramiken oder -kunststoffen.

    Nach Abschluss der Pfannenimplantation erfolgt die Darstellung des proximalen Femurs mit Eröffnung des Markraumes und dem schrittweisen Einschlagen defininierter Raspeln. Beim Einschlagen der letzten Raspel kann dann eine probeweise Reposition mit verschiedenen Hüftköpfen erfolgen. So kann die Beinlänge rekonstruiert werden. Selten ist eine Beinverlängerung nicht zu vermeiden, wenn z.B. auch auf der Gegenseite eine Hüftarthrose mit krankheitsbedingter Verkürzung des Beines vorliegt oder nur durch eine Beinverlängerung eine stabile Gelenksituation zu erreichen ist. Anschließend erfolgt die definitive Implantation der Schaftprothese und das Aufschlagen des Hüftkopfes. Die Verankerung der Schaftkomponente erfolgt in den meisten Fällen zementlos.

    Die Operationstechnik ist einfach und ermöglicht den Erhalt von Knochensubstanz sowie die Wiederherstellung von Knochensubstanz  durch die Ausbildung von neuen Knochen um den gesamten Schaft  herum.

    Die Überlebensrate beträgt nach 15 Jahren zwischen 95 und 98%.

    Gleitpaarung

    Eine der Hauptursachen für eine aseptische Prothesenlockerung ist  eine durch Polyäthylen-Abriebpartikel hervorgerufene Entzündungsreaktion. Um die Rate der Prothesenlockerungen zu minimieren, verwenden wir Gleitpaarungen, die sich durch einen sehr geringen Abrieb auszeichnen. In den meisten Fällen verwenden wir einen Keramikkopf und ein Polyäthyleninlay, das nahezu keinen Abrieb mehr  aufweist. Alternativ steht auch eine Keramik-Keramik-Gleitpaarung  zur Verfügung. Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Gleitpaarungen sind Gegenstand des präoperativen Aufklärungsgespräches.

     

  • Nach der Operation

    Nachbehandlung

    Spätestens am ersten Tag nach der Operation ist die Mobilisierung  vorgesehen. Mit Hilfe von Physiotherapeuten und des Pflegepersonals  tun Sie die ersten Schritte mit Ihrem neuen Gelenk. Zur Vermeidung  einer Thrombose empfehlen wir eine Prophylaxe durch subkutane  Gabe von niedermolekularem Heparin für die Dauer von 28 Tagen  nach der Operation. Ihr neues Gelenk ist in der Regel von Anfang an  gut belastbar. Sie können das operierte Bein belasten, soweit Ihre  Schmerzen das zulassen. Eine Teilbelastung ist nicht erforderlich, zur  Schonung der Wunde und der Weichteile sollte allerdings in den  ersten Wochen noch Unterarmgehstützen verwendet werden. Zur  Reduktion des Luxationsrisikos sollten zu tiefes Bücken und das Über- einanderschlagen der Beine in den ersten Wochen vermieden wer- den. Unsere Physiotherapeuten leiten Sie genau an. Nach der ersten  Phase im behandelnden Krankenhaus ist eine Anschluss-Heilbehand- lung für drei Wochen anzuraten. Bei jüngeren Patienten, die über  eine ausreichende Sicherheit und Mobilität verfügen, kann die Nach- behandlung auch ambulant durchgeführt werden. Nach der ersten  Röntgenkontrolle im Krankenhaus erfolgen weitere Kontrollen sechs  Wochen und sechs Monate postoperativ. Danach sind jährliche  Röntgenkontrollen sinnvoll, um Veränderungen des Prothesensitzes  oder einen Verschleiß einzelner Komponenten frühzeitig zu erkennen.

    Sportliche Aktivitäten

    Besonders für jüngere Patienten ist es wichtig, auch nach Implantation  eines Kunstgelenkes weiter Sport treiben zu können. Eine erste  Beratung dazu erfolgt vor der Operation und später bei Kontrollen  nach Abschluss der Rehabilitation. Generell wird von Sportarten mit  erhöhter Gelenkbelastung abgeraten, da dies zu einer vorzeitigen  Lockerung führen kann. Mit gelenkschonenden Sportarten kann je  nach Vorkenntnis des Patienten nach drei Monaten begonnen  werden. Zu diesen Sportarten zählen Schwimmen, Wandern und Nordic  Walking. Beim Radfahren mit einer Hüftprothese sollte der Sattel  möglichst hoch eingestellt werden. Mit geringen Einschränkungen kann dem Golfspiel erneut nachgegangen werden. Es sollte aber zur Reduktion des Luxationsrisikos auf  starke Rotationsbewegungen mit Schwung verzichtet werden. Unter  Umständen ist eine Umstellung des Schwungstils sinnvoll. Im Bereich der Wintersportarten ist das Langlaufen im Klassischen  Stil ohne Einschränkung erlaubt. Bei der modernen Skatingtechnik  treten hingegen hohe Gelenkbelastungen auf. Beim alpinen Skifahren  sind die Vorkenntnisse des Patienten entscheidend. Geübte Skiläufer  können nach einem halben Jahr dieser Sportart wieder nachgehen,  sollten aber steile und eisige Pisten sowie Buckelhänge auf jeden Fall  meiden. Ungeübten Skifahrern ist hingegen aufgrund der hohen  Verletzungsgefahr hiervon abzuraten. Zu den nicht empfohlenen Sportarten gehören aufgrund der Verletzungsgefahr Mannschaftssportarten (z.B. Fußball, Handball,  Basketball und Volleyball, Kampfsportarten und Gewichtheben)  sowie aufgrund der hohen Gelenkbelastung alle Sportarten mit  schnellen Richtungswechseln (z.B. Squash). Wir führen diese Eingriffe unter stationären Bedingungen im Kreis- krankenhaus Eggenfelden durch. Die Ergebnisse der  endoprothetischen Versorgung der Hüfte unterliegen der externen  Qualitätssicherung der BAQ (Bayerische Arbeitsgemeinschaft für  Qualitätssicherung in der stationären Versorgung) und können im  Internet eingesehen werden (www.baq-bayern.de). Einen Überblick  über die Zahl der operativen Eingriffe, die durch unsere Fachärzte in  den letzten Jahren durchgeführt werden, finden Sie hier (als PDF)