Knieprothetik

In den letzten Jahren hat sich die endoprothetische Versorgung der Kniegelenksarthrose als Therapieverfahren etabliert. In  Deutschland werden derzeit etwa 180.000  künstliche Kniegelenke pro Jahr eingesetzt.  Das Facharztzentrum für Orthopädie besitzt  seit mehr als 20 Jahren Erfahrung mit diesem Verfahren, jährlich werden über 150  Operationen mit Knieprothesen durchgeführt. Neben der Implantation einer Knietotalendoprothese (Knie-TEP oder Doppelschlittenprothese) als Standardverfahren  werden auch Hemischlittenprothesen (sog. Schlitten) eingesetzt, wenn die Arthrose nur  die innere Hälfte des Kniegelenks befallen  hat. In besonderen Fällen, wo die Knochensubstanz eine Verankerung einer konventionellen Prothese nicht mehr erlaubt oder  durch die Lockerung einer bereits eingesetzten Prothese Substanzdefekte des  Knochenlagers entstanden sind, stehen auch  Spezialprothesen zur Verfügung.

Seit 2011 haben wir auch die Möglichkeit,  indivduell angefertigte Prothesen einzusetzen. Vor allem jüngere und sportlich  aktive Patienten profitieren von diesen  Spezialprothesen

 

Vorgehensweise

Operationsvorbereitung

Da es sich bei der Knieprothesenimplantation mit wenigen Ausnahmen um ein rein elektives Verfahren handelt, ist eine gründliche Operationsvorbereitung zwingend erforderlich. Eine Narkosevorbereitungsuntersuchung entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) kann beim Hausarzt vorbereitet werden. Auch eine Eigenblutspende kann vor einer solchen Operation sinnvoll sein. Dabei wird drei bis vier Wochen vor der geplanten Operation eine Blutkonserve aus ihrem eigenen Blut gewonnen, die Sie bei Bedarf während oder nach der Operation zurückbekommen. So kann eine Fremdblutgabe in vielen Fällen vermieden werden. Darüber hinaus führen wir vor der Operation ein Aufnahmelabor mit Entzündungsparametern sowie maßstabsgerechte Röntgenaufnahmen durch. Die Röntgenaufnahme dient der präoperativen Planung, die vor jeder Operation mit Schablonen computerassistiert durchgeführt wird. Unsere Physiotherapeuten üben mit Ihnen die ersten Schritte an zwei Unterarmgehstützen schon vor der Operation, um Ihnen nach dem Eingriff die Mobilisation zu erleichtern.

Aufklärung

Obwohl die möglichen Komplikationen heute gering sind, muss jeder Patient darüber aufgeklärt werden, dass auch die strenge Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen nicht alle Risiken einer Operation beseitigen kann. Zu den Risiken zählen: Thrombose, Embolie, Luxation des Gelenkes, Wundheilungsstörungen, Wundinfektion, septische und aseptische Früh- und Spätlockerungen, Knocheninfektion, intraoperative Knochenbrüche, eine Beinlängendifferenz und Nachblutungen. Wir sprechen mit Ihnen den Operationsablauf und mögliche Risiken vor der Operation ausführlich durch und erklären Ihnen die Häufigkeit des Auftretens dieser möglichen Probleme.

Operationsablauf

Bei der Operation wird das Gelenk über einen Schnitt an der Vorderseite des Kniegelenks eröffnet. Die Kniescheibe wird beiseite gehalten und die Gelenkflächen dargestellt. Anschließend werden die zerstörten Gelenkflächen an Oberschenkel und Schienbeinkopf mittels präziser Schablonen entfernt und so das Knochenlager für die Prothese vorbereitet. Anschließend werden Probekomponenten eingesetzt und der Stabilität, die Beinachse und die Beweglichkeit überprüft. Passen die gewählten Komponenten wird die Originalprothese eingesetzt und verankert. Häufig wird dabei Knochenzement zur Verankerung verwendet. Bei Notwendigkeit wird am Ende der Operation auch die Kniescheibenrückfläche durch eine künstliche Gelenkfläche ersetzt.

Navigation

In den letzten Jahren hat sich durch die Entwicklung der navigierten Operationstechnik eine neue Methode etabliert. Bei ausgeprägten Fehlstellungen des Kniegelenkes kann durch die Verwendung der Navigation eine bessere und zuverlässigere Positionierung der Prothese erreicht werden. Dadurch verbessert sich die Langzeitstabilität und die Beweglichkeit des Kunstgelenkes. Wir nutzen diese technische Neuerung bereits seit einigen Jahren.

Individuell angepasste Knieprothesen

Seit einiger Zeit bieten wir neben den etablierten Standardprothesen in bestimmten Fällen auch Individualprothesen an. Dabei wird anhand einer CT-Untersuchung des erkrankten Kniegelenkes eine individuelle Prothese geplant und angefertigt (Abb.1). Außerdem werden auch die bei der Operation notwendigen Schneideblöcke individuell für den Patienten angefertigt. Persönlich angepasste Implantate bieten unserer Meinung nach gegenüber dem herkömmlichen vollständigen Ersatz des Kniegelenks Vorteile:

  • Hervorragende Passung durch maßgefertigte Größe und Form
  • Natürlicher, anatomischer Sitz und entsprechende Ausrichtung
  • Größtmöglicher Knochenerhalt
  • Geringeres Trauma, möglicherweise schnellere Genesung

Neben der Möglichkeit eines unikompartimentellen Gelenkersatzes (iUni – Abbildung 2) gibt es bei dieser neuen Technik auch die Variante der Kombination einer Schlittenprothese mit einem Ersatz des Kniescheibengelenkes (iDuo – Abbildung 3). Weitere Informationen zu dieser Technik finden Sie auch unter www.conformis.de.

 

Nachbehandlung

Unter Anleitung unserer Physiotherapeuten und unseres Pflegepersonals tun Sie am ersten Tag nach der Operation die ersten Schritte mit Ihrem neuen Gelenk. Zur Verbesserung der Beweglichkeit wird das Kniegelenk täglich auf einer motorgetriebenen Schiene (Bewegungsschiene) in steigenden Umfang bewegt.

Zur Vermeidung einer Thrombose empfehlen wir eine Prophylaxe durch subkutane Gabe von niedermolekularem Heparin für die Dauer von 28 Tagen nach der Operation. Ihr neues Gelenk ist in der Regel von Anfang an gut belastbar. Sie können das operierte Bein belasten, soweit Ihre Schmerzen das zulassen.

Eine Teilbelastung ist nicht erforderlich, zur Schonung der Wunde und der Weichteile sollte allerdings in den ersten Wochen noch Unterarmgehstützen verwendet werden. Unsere Physiotherapeuten leiten Sie genau an.

Nach der ersten Phase im Krankenhaus ist eine Anschluss-Heilbehandlung für drei Wochen anzuraten. Bei jüngeren Patienten, die über eine ausreichende Sicherheit und Mobilität verfügen, kann die Nachbehandlung auch ambulant durchgeführt werden. Nach den ersten Röntgenkontrollen im Krankenhaus erfolgen weitere Kontrollen sechs Wochen und sechs Monate postoperativ. Danach sind jährliche Röntgenkontrollen sinnvoll, um Veränderungen des Prothesensitzes oder einen Verschleiß einzelner Komponenten frühzeitig zu erkennen.