• Erklärung

    Die Schulterinstabilität ist gekennzeichnet durch die wiederkehrende Verrenkung des Schultergelenkes. Nach ihrer Ursache werden drei Arten der Instabilität unterschieden.

    Die atraumatisch-rezidivierende Instabilität

    Bei dieser Form der Instabilität ist das gesamte Bindegewebe des Körpers und speziell des Kapselbandapparates der Schulter lax, so dass der Oberarmkopf zu viel Spiel in der Gelenkpfanne hat und ohne jede Gewalteinwirkung aus dieser Gelenkpfanne herausspringen kann (Luxation). Häufig kommt es durch wiederholte Mikrotraumen in Verbindung mit einer Kapsellaxität zur Entwicklung einer Schulterinstabilität. Eine Sonderform stellt die willkürliche Instabilität dar. Dabei kann der Betroffene sogar willentlich die Schulter aus ihrer Pfanne luxieren (sog. willkürliche Instabilität). Diese Arten der Schulterinstabilität bedürfen in der Regel eines intensiven krankengymnastischen Trainingsprogramms. Eine operative Korrektur kommt nur in Ausnahmefällen in Frage.

    Die posttraumatisch rezidivierende Instabilität

    Sie ist die häufigste Form der Gelenkinstabilität und entsteht durch eine Verletzung der Kapsel und Gelenklippe bei einer unfallbedingten Luxation des Armes. Dadurch werden typischerweise die Bänder und das sogenannte Labrum glenoidale vom Gelenkpfannenrand abgeschert und die Gelenkkapsel wird überdehnt oder reißt ein. Danach kann es zu einem unvollständigen Anwachsen des Kapselbandapparates am Gelenkrand kommen, sodass eine Instabilität entsteht und die Schulter ohne erneuten Unfall oder bei geringsten Anlässen spontan aus der Pfanne luxieren kann.

  • Diagnostik

    Ziel der Diagnostik ist das Erkennen der Ursache der Instabilität und der geschädigten Strukturen des Schultergelenkes. Neben der Anamnese und der körperlichen Untersuchung ist die Röntgenaufnahme der Schulter in 2 Ebenen diagnostischer Standard.

    Durch eine CT- oder MRT-Untersuchung können die knöchernen und weichteiligen Strukturen der Schulter genauer dargestellt werden. Vor allem vor geplanten operativen Eingriffen an einer instabilen Schulter sind diese Zusatzuntersuchungen häufig notwendig

  • konservative Therapie

    Grundlage der Therapie ist die genaue Kenntnis, welche der geschädigten Strukturen des Schultergelenkes die Instabilität verursacht. Nur das Wissen um die Ursache ermöglicht eine zielgerichtete Behandlung.

    Die atraumatisch-rezidivierende Instabilität ist die Domäne der konservativen Therapie. Durch gezieltes Training der oberarmkopfzentrierenden Muskulatur, das Dehnen verkürzter Strukturen und die Vermeidung weiterer Schädigungen zu laxer Kapselanteile kann die Schulter stabilisiert werden. Das ist ein langwieriger Prozess, der eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt, Patient und Physiotherapeut erfordert. Operative Verfahren wie zum Beispiel die Verkleinerung der zu weiten Gelenkkapsel (Kapselshift) werden in seltenen Fällen durchgeführt.

  • operative Therapie

    Grundlage der Therapie ist die genaue Kenntnis, welche der geschädigten Strukturen des Schultergelenkes die Instabilität verursacht. Nur das Wissen um die Ursache ermöglicht eine zielgerichtete Behandlung.Die posttraumatisch-rezidivierende Form sollte frühzeitig einer operativen Stabilisierung zugeführt werden, da mit jeder weiteren Verrenkung das Risiko einer weiteren Schädigung der Kapsel-Labrum-Strukturen steigt. Wir empfehlen nach der dritten bis fünften Schulterluxation, insbesonders dann, wenn die Luxationen rasch aufeinander folgen, die operative Stabilisierung. Dazu wird eine diagnostische Arthroskopie (Gelenkspiegelung), die das genaue Ausmaß der Verletzung zeigt, und anschließend eine arthroskopische Refixation der vorderen Kapselanteile und des vorderen Labrums am Pfannenrand vorgenommen. Diese erfolgt mit speziellen Knochenankern und Fäden, die die Kapsel am vorderen Pfannenrand dauerhaft fixieren und ein Wiederanwachsen erleichtert.

    Offene Stabilisierungsoperationen sind nötig, wenn neben der Labrumläsion weitere Schädigungen wie knöcherne Defekte am Pfannenrand vorliegen. Bei der offenen OP wird über einen größe-ren Schnitt (ca. 8 cm Länge) das Schultergelenk von vorne eröffnet und das Labrum ebenfalls mit Knochenankern refixiert. Die dabei eröffnete Gelenkkapsel wird gestrafft, z.B. durch Doppelung.

    Nachbehandlung

    Da die arthroskopisch oder offen gesetzten Nähte unmittelbar nach der Operation natürlich noch keiner größeren Belastung, insbesondere keiner forcierten Rotationsbewegung standhalten, muss die Schulter für drei Wochen in einem Spezialverband ruhig gestellt werden. Eine physiotherapeutische Mobilisierung der Schulter sollte in dieser Zeit ohne extreme Drehbewegungen und Abspreizbewe-gungen durchgeführt werden. Danach beginnt ein vorsichtiges Rehabilitationsprogramm, bis nach ca. sechs Wochen die freie Beweglichkeit der Schulter gegeben ist.Die Wiederaufnahme einer aktiven Ballsportart mit Über-Kopf-Bewegung ist frühestens nach drei Monaten möglich.Wir führen diese Eingriff in der Regel unter stationären Bedingungen im Kreiskrankenhaus Eggenfelden durch. Einen Überblick über die operativen Eingriffe, die durch unsere Fachärzte in den letzten Jahren durchgeführt werden, finden Sie hier (als PDF).

Schulterinstabilität